Wie eine Krone thront die Henneburg über Stadtprozelten. Foto: Holger Leue
Die Erbauer haben sich einen Standort mit herrlichem Mainblick ausgesucht. Foto: Gina Gerig-Spanlang
Hin und wieder kann man hier dem Mittelalter hautnah begegnen. Foto: Burglandschaft
'Schlos Protzel' von der gegenüberliegenden Mainseite (Osten), Stich um 1600. Aus: Daniel Meisner/Eberhard Kieser: Politisches Schatzkästlein, Buch 2, Teil 4, Tafel 39. Frankfurt/Main 1630.
Der direkte Vergleich mit dem heutigen Zustand zeigt, wie viel Bausubstanz verloren gegangen ist. Foto: Gina Gerig-Spanlang
In der Kernburg blieb zwischen den sich gegenüberliegenden Wohnbauten nur ein enger, schlauchförmiger Hof. Foto Gina Gerig-Spanlang
Der Hauptzugang war mit vorgelagerter Zugbrücke und dahinter liegendem Doppelturmtor bestens gesichert. Foto: Burglandschaft
Die mächtige Linde im Zwinger dominiert die Nordseite der Henneburg - neben dem Bergfried natürlich. Foto: Burglandschaft
Wie eine Krone thront die Henneburg über Stadtprozelten. Foto: Holger Leue
Die Erbauer haben sich einen Standort mit herrlichem Mainblick ausgesucht. Foto: Gina Gerig-Spanlang
Hin und wieder kann man hier dem Mittelalter hautnah begegnen. Foto: Burglandschaft
'Schlos Protzel' von der gegenüberliegenden Mainseite (Osten), Stich um 1600. Aus: Daniel Meisner/Eberhard Kieser: Politisches Schatzkästlein, Buch 2, Teil 4, Tafel 39. Frankfurt/Main 1630.
Der direkte Vergleich mit dem heutigen Zustand zeigt, wie viel Bausubstanz verloren gegangen ist. Foto: Gina Gerig-Spanlang
In der Kernburg blieb zwischen den sich gegenüberliegenden Wohnbauten nur ein enger, schlauchförmiger Hof. Foto Gina Gerig-Spanlang
Der Hauptzugang war mit vorgelagerter Zugbrücke und dahinter liegendem Doppelturmtor bestens gesichert. Foto: Burglandschaft
Die mächtige Linde im Zwinger dominiert die Nordseite der Henneburg - neben dem Bergfried natürlich. Foto: Burglandschaft

Henneburg

1 Min. Fußweg
7 Min. zur Haltestelle
12 Min. zum Bahnhof

Rund 70 Meter über der Stadt Stadtprozelten thront eine der größten Burgruinen Bayerns. Ihre zwei Bergfriede und die leuchtend roten Sandsteinmauern verleihen der jüngst generalsanierten Henneburg eine der eindrucksvollsten Silhouetten entlang des Mains. Für einen Besuch ist sie dank des örtlichen Führungsangebots, mehrerer Informationstafeln und Faltblättern für Erwachsene wie auch für Kinder hervorragend geeignet.

Gründung im 12. Jahrhundert? Ein Phantom.

Zur Gründung und Frühzeit der Henneburg gibt es keine sicheren Quellen. Entsprechend wurde seit dem 19. Jahrhundert über ihre Ursprünge spekuliert. Tatsächlich stellt die Bauforschung die sicherste Grundlage für Aussagen zur Gründung der Burg dar. Doch leider wurden über Einzelbeobachtungen hinaus noch nie systematische Untersuchungen am Baubestand und auch keine archäologischen Grabungen vorgenommen. Somit erschöpfen sich die Aussagen damit, dass die ältesten erhaltenen Bauteile - der untere Teil des großen Bergfrieds und das Untergeschoss des östlichen Wohnbaus mit dem getreppten Rundbogentor - nach 1220 entstanden sind. Das Bauprojekt blieb jedoch unvollendet und wurde erst in der zweiten Hälfte des 13. Jahrhunderts weitergeführt. Nach einer weiteren Unterbrechung wurde diese erste Bauphase erst im 14. Jahrhundert abgeschlossen. Bis dahin scheinen Teile der Kernburg nur als Provisorium bestanden zu haben.

Dagegen wird ein 'Tiemonis de Bratseleden' (Timo von Prozelten), der in einer Urkunde von 1127 als Zeuge erscheint, hin und wieder als der Erbauer der Henneburg angesehen. Jedoch ist nicht klar, ob mit 'Bratselden' das heutige Dorf- oder Stadtprozelten gemeint ist. Bis ins 14. Jahrhundert war Dorfprozelten, das 1214 bereits als Pfarrei nachgewiesen ist, die bedeutendere Siedlung. Stadtprozelten wurde hingegen erst 1323 als eigenständige Pfarrei aus dem Dorfprozeltener Kirchensprengel herausgelöst. Es ist also wahrscheinlicher, dass Timo seinen Sitz in oder bei Dorfprozelten hatte.

Als Stiftsvogt des Aschaffenburger Kollegiatsstifts St. Peter und Alexander bekleidete er eine hochrangige und sehr begehrte Position. Timo begegnet auch im Hirsauer Codex, wo er sogar als Graf tituliert wird ("Diemo comes de Bratselden"). Von einer 'Grafschaft Prozelten' ist sonst allerdings nichts bekannt. Jüngste Erkenntnisse begründen die Vermutung, dass er ein Spross des auch am Untermain begüterten Grafen Gotebold II. von Henneberg war. Somit ist eine gräfliche Abstammung - wenn auch keine eigene Grafschaft - für Timo durchaus anzunehmen.

Jedenfalls ist sehr unwahrscheinlich, dass sich ein Adliger seines Ranges nach einem einfachen Dorf benennt. Daraus kann geschlossen werden, dass er in 'Bratselden' eine Burg besaß. Das kann durchaus eine bescheidene Befestigung aus Holz und Erde in Niederungslage gewesen sein - eine 'Motte' oder 'Turmhügelburg'. Stein wurde erst im Laufe des Mittelalters zum bestimmenden Material im Burgenbau. Ohne archäologische Untersuchung kann jedoch nicht sicher ausgeschlossen werden, dass Timos Burg nicht doch am heutigen Platz der Henneburg gestanden hat und rund 100 Jahre später (um 1220) von der Steinburg komplett überbaut wurde.

13. Jahrhundert: Reichsschenken, Grafen und Edelherren

Erst im fortgeschrittenen 13. Jahrhundert verdichten sich die Erwähnungen Prozeltens in den Schriftquellen so sehr, dass sie sicher auf die Henneburg und Stadtprozelten bezogen werden können. Und zwar nennen sich die Reichsschenken Walther und Albert von Schüpf-Clingenburg ab 1260 regelmäßig 'de Bratshelden'. Die Titulatur wurde geändert, weil ihre namengebende Clingenburg wenige Jahre zuvor durch Erbfall verloren gegangen war und sie offenbar auf die Henneburg übersiedelten. Seit wann sie schon im Besitz der Burg Prozelten waren, ist leider nicht bekannt. Als Ministeriale, also nichtadelige Gefolgsleute, der staufischen Könige wurden sie ab dem fortgeschrittenen 12. Jahrhundert mit königlichen Gütern im Mainviereck belehnt, allen voran der Vorgängeranlage der Clingenburg. Ihre Aufgabe war es, in diesem Grenzraum zwischen den Bistümern Mainz und Würzburg die königliche Position zu stärken, auch durch eigenständige Herrschaftsentwicklung.

Es liegt nahe, in den Schenken von Schüpf-Clingenburg die Bauherren des zweiten Bauabschnitts der Henneburg aus der zweiten Hälfte des 13. Jahrhunderts zu sehen. Sie stellten also den unvollendeten Bergfried fertig und versahen den östlichen Wohnbau mit einem Obergeschoss, das die beiden spitzbogigen Doppelfenster enthält. Ob einer ihrer Vorfahren bereits hinter dem unvollendeten ersten Bauabschnitt der Zeit nach 1220 stand, kann nur vermutet werden, es liegen aber erste Hinweise darauf vor.

Die erste absolut sichere, weil direkte Nennung der Burg wie auch der an ihrem Fuß liegenden Siedlung ('civitas') stammt aus dem Jahr 1275: Die Reichschenken Konrad und Walther von Schüpf-Clingenburg-Prozelten, Söhne des oben genannten Walther, verkauften ihr 'castrum Bratshelden' samt Zubehör für 600 Pfund Heller an die Grafen Boppo und Rudolf von Wertheim und die Herren Reinhard und Ulrich von Hanau. Die Ersterwähnung von Burg und Siedlung markiert gleichzeitig eine Zäsur, denn mit dem Verkauf wurden die Bauarbeiten an der Burg offenbar eingestellt, sodass die Henneburg für die folgenden 50 Jahre wohl eine halbfertige Anlage blieb.

In den folgenden Jahren kam es zur wiederholten Aufteilung einzelner Besitzteile, vor allem auf die Töchter der jeweiligen Ganerben. Dem „Schloßfräle“ Elisabeth von Hohenlohe, einer Tochter Graf Poppos von Wertheim, gelang es zwischen 1313 und 1319 sämtliche Teile selbst zu erwerben oder ihre Übereignung an den Deutschen Orden zu arrangieren. Mit der Verpfändung auch ihrer eigenen Besitzungen an den Deutsche Orden 1319 kam dieser schließlich in den Besitz der gesamten Henneburg samt Talsiedlung. Im gleichen Zug wurde auch das von Elisabeth in Neubrunn bei Würzburg gegründete und vom Deutschen Orden geführte Spital nach Stadtprozelten verlegt.

14./15. Jahrhundert: der Deutsche Orden

Unter dem Deutsch Orden erlebte die Henneburg ihre Blütezeit. Gegen Zins unterstellte der Orden 1320 seine neue Kommende in Prozelten zusammen mit weiteren dem Schutz des Erzbischofs von Mainz. An der Henneburg wurden zunächst hauptsächlich im Bereich der Bestandsgebäude Umgestaltungen im gotischen Stil und Erweiterungen vorgenommen. Bereits hierdurch änderte sich das Erscheinungsbild der Burg erheblich: Der Wohnbau wurde um ein weiteres Obergeschoss auf insgesamt vier Geschosse erhöht. Hinter dem Tor wurde ein ebenfalls viergeschossiges Gebäude errichtet, das direkt an den Wohnbau anschloss. Hinter dem romanischen Rundbogentor entstand dadurch eine Torkammer mit innerem Spitzbogenportal und Kellern zur Linken und zur Rechten. Die gesamte Ostseite der Burg prägte nun eine geschlossene, viergeschossige Gebäudefront (plus Dach).

Zeitweise waren auf der Henneburg bis zu 36 Ordensritter stationiert, zuzüglich der Dienerschaft und niederrangiger Angehöriger des Ordens. 1355 erhielt die Siedlung am Fuße der Henneburg zur Stadt das Gelnhäuser Stadtrecht von Kaiser Karl IV. Markt-, Stapel-, Münz- und Befestigungsrecht, Selbstverwaltung wie auch Hohe (Bluts-)Gerichtsbarkeit waren darin enthalten. Mit der Erhebung zur Stadt erwies der Kaiser dem Komtur der Prozeltener Kommende, Philipp von Bickenbach, seinen persönlichen Dank. Auf der Rückreise von der Kaiserkrönung in Rom hatte Philipp Kaiser und seiner Gemahlin in Pisa das Leben gerettet. Die originale Stadterhebungsurkunde wurde 2004 im Stadtarchiv von Würzburg gefunden. Die von der Henneburg zur Stadt herabziehenden und in die Stadtmauer übergehenden Mauertraversen können erst nach Erhalt des Befestigungsrechts 1355 entstanden sein. Sie verbanden Burg- und Stadtverteidigung miteinander, so wie es in vielen Burgstädten, besonders am Main, der Fall ist.

Im 15. Jahrhundert führte der Orden einen groß angelegten Ausbau der Henneburg durch. Im Bereich der Kernburg wurden der westliche, dreigeschossige Wohnbau und der ihn begrenzende schlanke Bergfried im Süden errichtet, außerdem die hohe Schildmauer, die den neue Westflügel mit dem alten Bergfried verband. Auf der gegenüberliegenden Seite wurde der vom Orden bereits im 14. Jahrhundert ausgebaute Ostflügel in Richtung Süden durch ein mehrstöckiges Steingebäude mit eingewölbten Kellern verlängert. Die Burg verfügte damit über eine unglaublich große Wohn- und Nutzfläche, deren Notwendigkeit heute nicht mehr nachvollziehbar ist. Die augenfälligste und umfänglichste Veränderung war die Errichtung eines zweiten, in sich geschlossenen Mauerrings um die Kernburg herum. Mit neun aus den Mauerfluchten herausstehenden (flankierenden) Rund- und Halbschalentürmen sowie einem Rechteckturm, dem Doppelturmtor im Süden und dem Ringgraben im Westen war dieser Zwinger nicht nur sehr eindrucksvoll, sondern entsprach auch den auf Feuerwaffen ausgelegten wehrtechnischen Anforderungen des ausgehenden Mittelalters. Der äußere (südöstliche) Torturm ist angesichts seiner breiten Geschütznischen als Artillerieturm konzipiert und der unterirdische Verteidigungsgang innerhalb der Westmauer - eine Kasematte - leitet bereits zur Festungsarchitektur der Renaissance über. Er ist heute noch begehbar und macht den Besuch der Henneburg besonders abenteuerlich.

Von der Festung zur Ruine

1483 tauschte der Komtur zu Mergentheim, Georg von Henneberg, die Burgen (Kommenden) Prozelten und Neubrunn gegen die mainzischen Burgen Schurberg und Neckarsulm. Der heute gebräuchliche Name 'Henneburg' ist wahrscheinlich aus diesem Tauschgeschäft entstanden. Die äußeren Verteidigungsanlagen waren zu diesem Zeitpunkt vermutlich noch nicht allzu lange fertiggestellt. Burg und Stadt Prozelten gehörten fortan dem Erzstift Mainz und wurden von einem Amtmann verwaltet. Der Baubestand wurde seitdem bestenfalls nur noch instandgehalten, Investitionen beschränkten sich auf Reparaturarbeiten. Doch liegt es auf der Hand, dass die riesige Anlage mit der Zeit zunehmend in schlechten Zustand geriet zu verfallen begann. Im Bauernkrieg 1525, im Zweiten Markgrafenkrieg 1552 und im Dreißigjährigen Krieg 1618-1648 blieb sie offenbar verschont, doch in der Anfangsphase des Pfälzischen Erbfolgekriegs 1688 sollen französische Truppen angeblich schwere Zerstörungen angerichtet haben. Steinraub durch die ansässige Bevölkerung wird sicherlich auch ein nicht zu unterschätzender Anteil am Niedergang der Henneburg zukommen. 1704 wird sie erstmals als Ruine bezeichnet.

Dennoch zeigen Rechnungen kleiner Reparaturen, dass das Gemäuer selbst im 18. Jahrhundert nicht vollends sich selbst überlassen war. Nach dem Übergang an Bayern 1806 wurden von König Ludwig I. persönlich umfangreichere Erhaltungsarbeiten veranlasst, die um 1840 den weiteren Zerfall des als schützenswert erkannten Kulturdenkmals stoppten. Seitdem wurde regelmäßig in die Sicherung des Mauerweks investiert.

Von 2017 bis 2022 hat der Freistaat die Ruine für gut 3 Millionen Euro grundlegend sanieren lassen. Mit Fortschreiten des fünften und letzten Bauabschnitts konnte die Henneburg im September 2022 nach fünfjähriger Sperrung wieder für Besucher geöffnet werden. Von der neuen Aussichtsplattform auf dem großen Bergfried lässt sich das Maintalpanorama nun noch besser genießen.

Erlebnisse für Groß und Klein

Ob abenteuerlustig, naturverbunden oder geschichtsbegeistert - die Henneburg und ihre Umgebung haben für fast alle Interessen und Altersstufen etwas zu bieten.

Am intensivsten lässt sich die Ruine natürlich bei einer Burgführung entdecken. Doch auch für den individuellen Besuch geben die Faltblätter der Burglandschaft alle wichtigen Infos zum Denkmal an die Hand. Mit 'Burg for Kids' können Kinder - auch die großen Kinder - die Henneburg auf einer Rätsel-Schnitzeljagd gemeinsam mit Ritter Roland und seiner Begleiterin, Ziege Zilli, erforschen. Für die richtige Lösung gibt es eine Belohnung! Beide Faltblätter stehen in der blauen Seitenleiste auch als PDF zum Download zur Verfügung.

Mit Wiedereröffnung der Henneburg-Schänke wird es in absehbarer Zeit endlich auch wieder ein regelmäßiges gastronomisches Angebot im Mittelalterambiente auf der Burg geben. Außerdem lässt der Bogenparcours Stadtprozelten im Halsgraben der Henneburg (direkt neben den Parkplätzen) mittelalterliches Jagdfeeling aufkommen. 

Die Stadt und ihre Stadtteile bieten mit dem örtlichen Führungsangebot, Gastronomie, dem Pfad der Achtsamkeit, dem Klettersteinbruch, etlichen Wanderrouten und vielem mehr abwechslungsreiche Freizeitangebote.

Literatur und Links

Adolf Feulner: Stadtprozelten.
In: Felix Mader (Hg.): Bezirksamt Marktheidenfeld. Die Kunstdenkmäler von Bayern. Regierungsbezirk Unterfranken VII, München 1913, S. 112–142.

Thomas Steinmetz: Die stauferzeitliche Burg Prozelten und ihre Beziehung zur Burg Wildenberg.
In: Burgen und Schlösser 29, Heft 1, Braubach 1988, S. 22-36.

Wolfgang Hartmann: Das Burgenrätsel Miltenberg - Freudenberg und die treuen Weiber von Weinsberg. Auf Spuren der Herren von Dürn vom Kloster Amorbach zum ersten Stauferkönig, Neustadt/Aisch 2021, S. 37-40.

 

weiterführende Links

Burglandschaft Spessart und Odenwald

Bayerisches Landesamt für Denkmalpflege

Haus der Bayerischen Geschichte 

Burgenarchiv.de

Tourismusinformation Stadtprozelten

Stadt Stadtprozelten

Weitere Bilder der Henneburg auf spessartbilder.eu