Unter dem heutigen Namen ist die Alte Schmiede erst seit rund 100 Jahren bekannt. Foto: LAG Main4Eck
Im 16./17. Jahrhundert stand das kleine Fachwerkgebäude noch am äußeren westlichen Ortsrand. Foto: LAG Main4Eck
Die Ausstattung der Schmiede ist nahezu vollständig erhalten. Foto: LAG Main4Eck
In den 1970er Jahren war die Werkstatt wohl nicht mehr ganz zeitgemäß. Foto: LAG Main4Eck
Unter dem heutigen Namen ist die Alte Schmiede erst seit rund 100 Jahren bekannt. Foto: LAG Main4Eck
Im 16./17. Jahrhundert stand das kleine Fachwerkgebäude noch am äußeren westlichen Ortsrand. Foto: LAG Main4Eck
Die Ausstattung der Schmiede ist nahezu vollständig erhalten. Foto: LAG Main4Eck
In den 1970er Jahren war die Werkstatt wohl nicht mehr ganz zeitgemäß. Foto: LAG Main4Eck

Dornbuschschmiede

1 Min. Fußweg
3 Min. zur Haltestelle
5 Min. zum Bahnhof

Das älteste erhaltene Gebäude Dorfprozeltens ist die 1617 errichtete 'Alte Schmiede'. Archivalisch ist sie sogar bis um 1550 zurückzuverfolgen und wurde über 400 Jahre lang fast durchgängig betrieben. Ihren Namen hat sie von den letzten hier tätigen Schmieden, Adam und August Dornbusch. Der Heimat- und Geschichtsverein hat das Gebäude, das noch seine gesamte Werkzeugausstattung besitzt, 2020 restaurieren und die Technik instand setzen lassen. Heute sind wieder Schmiedevorführungen möglich.

Traditionsreiches Handwerk

Der Berufsstand Schmied gehört zu den ältesten der Gemeinde und wird bereits um 1550 im sogenannten 'Einmannsteuergeld' von Dorfprozelten, das alle Haushalte steuerlich veranlagt, erwähnt: Der Michell Schmied musste für die Schmiede, die 'Fabrica' genannt wurde, damals einen Batzen Steuer entrichten (entspricht etwa 16 Silberpfennigen oder 4 Kreuzern oder 1/15 Gulden bzw. Taler). Die hier tätigen Handwerker und die Dauer ihrer Gewerbe - sie waren in der Regel auch Besitzer des Gebäudes - lassen sich ab dem 16. Jahrhundert lückenlos nachvollziehen. Wahrscheinlich waren auch vorher schon Schmiede in Dorfprozelten ansässig, es sind nur keine Schriftquellen dazu überliefert.

Der Schmied war aus der Dorfgemeinschaft nicht wegzudenken. Sämtliche eisernen Gerätschaften für Landwirtschaft, Verkehr, Gebäude, Handwerkzeuge, Küchen- und Handarbeitsutensilien wurden von ihm hergestellt und/oder repariert. In größeren Gemeinden hatten sich die Schmiede oft als Wagen- Huf-, Kessel-, Nagel oder Werkzeugschmied spezialisiert, in kleineren Gemeinden wurden alle diese Arbeiten vom Dorfschmied ausgeführt. In Dorfprozelten produzierte der Schmied neben landwirtschaftlichen Gerätschaften ab Mitte des 19. Jahrhunderts viele Werkzeuge für die florierende Sandsteinindustrie.

Der Schmiedemeister Adam Dornbusch aus Homburg - Namensgeber der heute geläufigen Bezeichnung - betrieb die Schmiede ab 1888, nachdem er die aus Dorfprozelten stammende Caroline Wiesmann geheiratet hatte. Er gab den Handwerksbetrieb an seinen Sohn August Dornbusch weiter, der ihn bis 1978 weiterführte, ehe er sich 85-jährig (!) zur Ruhe setzte.

Ältestes Gebäude Dorfprozeltens

Mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlich handelt es sich bei der um 1550 erwähnten 'fabrica' um einen Vorgängerbau an der Stelle der heute noch erhaltenen Schmiede, die 1617 errichtet wurde. 1553 wird ein 'Schmieds Wassergraben' erwähnt. Damit kann nur der bis in die 1950er Jahre entlang der Steingasse verlaufende Entwässerungsgraben, der direkt an der Alten Schmiede vorbeiführte, gemeint sein.

Nach der Stilllegung der Schmiede 1978 wurden das Gebäude, die Einrichtung und nahezu die gesamte Werkzeugausstattung glücklicherweise erhalten. Im Zuge der Sanierung durch den Heimat- und Geschichtsverein Dorfprozelten wurde ein neuer Schlot für die Esse errichtet und der große Blasebalk im Dachgeschoss restauriert.

Heimatmuseum und Schiffermuseum

In Dorfprozelten warten zwei weitere Museen darauf, entdeckt zu werden. Sie liegen alle in Laufreichweite und werden vom Heimat- und Geschichtsverein betrieben, sodass sich ein gemeinsamer Besuch anbietet. 

Das Heimatmuseum im Alten Bahnhof präsentiert verschiedene Aspekte der Ortsgeschichte, vor allem der örtlichen Handwerke. Hier sind ein Gemischtwarenladen, eine Schusterwerkstatt, eine Schreinerei und eine Steinmetzwerkstatt eingerichtet. Außerdem werden das Frisör- und Schneiderhandwerk thematisiert und im Außenbereich ist eine Steinhauerhütte rekonstruiert. Auf dem einladend gestalteten Bahnhofsvorplatz sind weitere Relikte der Dorfprozeltener Steinbruch- und Steinmetzbetriebe zu entdecken.

Das Schiffermuseum im Alten Waschhaus der Gemeinde, nur gut 100 Meter vom Main entfernt, enthält zahlreiche Zeugnisse des Schiffergewerbes. Die Schiffahrt stellte bis ins 20. Jahrhundert eine Haupterwerbsquelle der Bevölkerung dar; Dorfprozelten war einst das größte Schifferdorf in Unterfranken. Schiffsbestandteile, Werkzeuge und weitere Gegenstände, Bilder, Zeitungsartikel und mehr bringen den Gästen die Arbeits- und Lebenswelt der Schiffer näher. Daneben sind auch Utensilien des einstmaligen Waschbetriebes ausgestellt.

Literatur und Links

Heimat- und Geschichtsverein Dorfprozelten (Hg.): Dorfprozelten - ein Dorf im Wandel seiner 1000 jährigen Geschichte, Dorfprozelten 1995.

Georg Veh: Dorfprozelten - ein Dorf im Wandel seiner 1000 jährigen Geschichte Teil II, Dorfprozelten 2002.

 

weiterführende Links:

Heimat- und Geschichtsverein Dorfprozelten

Gemeinde Dorfprozelten

Europäischer Kulturweg "Altenbücher Kirchweg"