Auf einer Lichtung ragen die Mauerreste des Alten Schlosses aus dem Boden. Foto: Burglandschaft.
Die Morgensonne steigt über der Ringmauer des Alten Schlosses auf. Foto: Burglandschaft.
Die Blockbohlenhütte ist Lager und Präsentationsraum. Foto: Burglandschaft.
Der Ort besitzt eine besondere Atmosphäre. Foto: Burglandschaft.
Grundriss-Skizze der Burg auf Grundlage der archäologischen Grabungen. Bearbeiter: Jürgen Jung, ASP. Hintergrund: Digitales Geländemodell. Geobasisinformation: Bayerische Vermessungsverwaltung.
So könnte das Alte Schloss um 1260 von Osten (Vorburg) ausgesehen haben. Rekonstruktionszeichnung: Jürgen Jung.
Eine Burg in das heutige Landschaftsbild zu projizieren bedarf einiger Vorstellungskraft. Rekonstruktionszeichnung: Jürgen Jung.
Rekonstruktion: die Hauptburg um 1260. Blickrichtung: Ost. Modellbauer: Jürgen Jung. Foto: Burglandschaft.
Rekonstruktion: der Innenhof. Blickrichtung: Nordost. Modellbauer: Jürgen Jung. Foto: Burglandschaft.
Auf einer Lichtung ragen die Mauerreste des Alten Schlosses aus dem Boden. Foto: Burglandschaft.
Die Morgensonne steigt über der Ringmauer des Alten Schlosses auf. Foto: Burglandschaft.
Die Blockbohlenhütte ist Lager und Präsentationsraum. Foto: Burglandschaft.
Der Ort besitzt eine besondere Atmosphäre. Foto: Burglandschaft.
Grundriss-Skizze der Burg auf Grundlage der archäologischen Grabungen. Bearbeiter: Jürgen Jung, ASP. Hintergrund: Digitales Geländemodell. Geobasisinformation: Bayerische Vermessungsverwaltung.
So könnte das Alte Schloss um 1260 von Osten (Vorburg) ausgesehen haben. Rekonstruktionszeichnung: Jürgen Jung.
Eine Burg in das heutige Landschaftsbild zu projizieren bedarf einiger Vorstellungskraft. Rekonstruktionszeichnung: Jürgen Jung.
Rekonstruktion: die Hauptburg um 1260. Blickrichtung: Ost. Modellbauer: Jürgen Jung. Foto: Burglandschaft.
Rekonstruktion: der Innenhof. Blickrichtung: Nordost. Modellbauer: Jürgen Jung. Foto: Burglandschaft.

Altes Schloss

10 Min. Fußweg
Bahnhof Kleinwallstadt, VAB Line 61 & 62
20 Min. zur Haltestelle
25 Min. zum Bahnhof

Am Übergang vom Hoch- zum Spätmittelalter, also um 1250, erhob sich eine mächtige Burganlage auf dem heute 'Schlossberg' genannten Bergsporn im Kleinwallstadter Forst rund 2km östlich des Markts Kleinwallstadt. Der Burgstall konnte bislang noch in keiner Schriftquelle sicher identifiziert werden, sodass sich seine Mauerstümpfe, Erdwälle und Gräben in mystisches Schweigen hüllen. Lediglich die Archäologie konnte ihnen einige Geheimnisse entlocken. Als die Befestigung Mitte des 13. Jahrhunderts erbaut wurde, war die Umgebung wesentlich schwächer bewaldet, vielleicht sogar ganz waldfrei. Die hell verputzten Burgmauern müssen damals vom Maintal aus gut sichtbar gewesen sein. Heute liegt das Denkmal etwas versteckt inmitten von Wald, der ihm jedoch eine ganz besondere Atmosphäre verleiht.

Standort

Das Alte Schloss liegt in Spornlage am Hang des westlichsten Höhenzugs des Vorderen Spessarts auf etwa 180m Höhe NN. Der Bergsporn im Talkessel des Kohlplatzgrabens, eines nach Südwesten in den Main fließenden Bächleins, ist von deutlich höheren Erhebungen umgeben. Die wenig exponierte Lage bietet Fernsichtachsen lediglich nach Südwesten in Richtung Maintal. Der Gesteinsuntergrund wird aus dem Unteren und Mittleren Buntsandstein gebildet, ist im gesamten Talkessel aber von einer Lössdecke überlagert, die im Burgbereich mit einer Mächtigkeit von mehreren Metern vorliegt.

Wenige hundert Meter südlich wie nördlich ziehen Hohlwegbündel in west-östlicher Richtung am Burgstall vorbei. Sie verbinden das Maintal bei Kleinwallstadt mit dem Höhenrücken östlich des Alten Schlosses, wo sie an mehrere Altstraßen anschließen. Auffälligerweise verläuft nur etwas mehr als einen Kilometer weiter südlich eine weniger steile und regional bedeutendere Wegetrasse über den Ort Hausen zu demselben Höhenzug.

Forschungsgeschichte

Da sich bisher noch keine Schriftquelle sicher auf das Alte Schloss beziehen lässt, fand es in der überregionalen Forschung bislang keine Beachtung. Doch es erregte umso mehr das Interesse von Heimatforschern und Bevölkerung, die immer wieder den Spaten ansetzten.

- 1893: Spätestens in diesem Jahr wurden die ersten Grabungen von Kleinwallstädtern unternommen.

- 1905: Eine steinerne Gedenktafel soll aufgefunden worden sein, die heute allerdings verschollenen ist. Ob sie je existiert hat, ist fraglich. Vielleicht handelt es sich bei dieser Nachricht nur um 'Fake News'.

- 1932: Der Benefiziat Heinrich Kilian initiierte größer angelegte Freilegungsarbeiten. Diese sind wissenschaftlich bzw. denkmalpflegerisch leider nicht begleitet worden.

- 1991: Erneute Schürfungen von Privatleuten wurden vom Bayerischen Landesamt für Denkmalpflege unverzüglich unterbunden.

- 2006-2010: Das Archäologischen Spessartprojekt unternimmt in Kooperation mit dem Heimat- und Geschichtsverein Kleinwallstadt sowie dem Markt Kleinwallstadt die ersten genehmigten und nach archäologischen Standards durchgeführten Untersuchungen am Alten Schloss. Hieraus resultieren so gut wie alle zuverlässigen Erkenntnisse zu dem Burgstall.

Gesamtanlage

Der Burgstall auf dem Schlossberg gliedert sich in eine Kernburg mit Zwinger und eine durch einen Graben davon abgegrenzte Vorburg im Osten. Letztere wird auf ihrer Ostseite von einem Abschnittswall mit davor gelegenem Halsgraben geschützt. Die Burganlage hat eine Gesamtfläche von rund 16.000m² (1,6ha), was in etwa zwei Fußballfeldern entspricht. Zur Struktur der rund 5.500m² großen Kernburg liegen zahlreiche Erkenntnisse aus den Grabungen vor. Zu Befestigung, Bebauung oder Nutzung der rund 5.000m² großen Vorburg ist bislang nichts Genaueres bekannt. Im Osten (bergseitig) haben sich deutliche Wall- und Grabenstrukturen als sichtbare Merkmale der einstigen Burg erhalten. Auf den Hangseiten im Süden, Westen und Norden sowie in den Innenbereichen sind vergleichbare Reste dagegen nicht mehr obertägig erkennbar. Aufgrund stetig wirkender Erosion sind sie hier in weit stärkerem Maße abgetragen bzw. verschüttet worden. Außerdem haben Steinraub sowie die umfangreichen Schürfungen im 19. und 20. Jahrhundert einen kaum abschätzbaren Substanzverlust verursacht.

Die Kernburg wird von einer Ringmauer mit 39-46m Durchmesser umschlossen. Die bis zu 1,60m starke Zweischalenmauer besteht aus ortsfremden, relativ kleinformatigen Sandsteinen, ist vermörtelt und gründet im anstehenden sandigen Lösslehm. Sie trug einst einen mit Hohlziegeln gedeckten Wehrgang und ist in einigen Ecken durch bis zu 20cm nach Innen auskragende Stützen verstärkt. Die Ringmauer wird von einer Zwingermauerring umschlossen, die im Norden, Westen und Süden 10-15 m Abstand zur Ringmauer aufweist. Der Zugangsweg zur Kernburg führte vom äußeren Tor des Zwingers im Südosten zum inneren Tor der Ringmauer im Nordosten rund 150m um die Kernburg herum. Auf der Ostseite lässt der V-förmig eingetiefte Spitzgraben zwischen Kern- und Vorburg weniger als 10m Platz, sodass der Zwinger hier deutlich enger gewesen sein muss.

Innenbebauung

Die Kernburg besaß eine mehrteilige Innenbebauung, die teilweise mit ihren Außenmauern an die Ringmauer anschloss. Zwei Gebäude sind archäologisch nachgewiesen, weitere in den nicht untersuchten Flächen noch zu vermuten. Nach bisherigem Kenntnisstand stellt ein höchstwahrscheinlich mehrstöckiger Fachwerkbau von knapp 8m x 8m Grundfläche im Osten das Hauptgebäude dar. Sein Mauersockel ist mit der Ringmauer verbunden. Mit einem Kachelofen sowie verglasten Fenstern verfügte es über eine gehobene Ausgestattung und ist daher als Wohnturm anzusprechen. Die Ausgräber vermuten, an seiner Stelle sei ursprünglich ein Bergfried mit ähnlicher Grundfläche geplant gewesen, wegen des wenig tragfähigen Lössbodens aber bereits während des Baus aufgrund statischer Probleme aufgegeben worden. Auch wenn der Standort für einen Bergfried durchaus typisch wäre, ist diese Vermutung nicht zweifelsfrei belegbar. Ein weiteres Fachwerkgebäude befand sich im Südosten, war ebenfalls an die Ringmauer angelehnt und besaß einen grubenartigen Erdkeller.

Zerstörung

Über das Fundmaterial, welches mit Stücken wie einem kleinen Aquamanile (Gießgefäß für Handwaschung), vier Spielzeugpferdchen, Ofenkacheln von vermutlich mehreren Kachelöfen sowie weiteren Objekten aus Eisen, Buntmetall, Glas oder Knochen den gehobenen sozialen Status der Burgherren dokumentiert, lässt sich die Nutzungszeit des Alten Schlosses relativ eng auf das mittlere 13. Jahrhundert eingegrenzen. Da offenbar keine mehrphasigen Kulturschichtpakete vorkommen, kann die Anlage nur relativ kurze Zeit genutzt worden sein. Bereits wenige Jahrzehnte nach ihrer Gründung wurde sie durch einen Brand wieder zerstört, den zahlreiche verkohlte Hölzer und verziegelter Wandlehm der Fachwerkkonstruktionen dokumentieren. Dass es sich bei diesem Feuer nicht um einen Unfall oder Naturgewalt handelte, zeigt sich daran, dass die gesamte Wandscheibe der Ringmauer systematisch nach außen weggekippt wurde. Die Burg auf dem Schlossberg ist absichtlich und komplett niedergelegt - geschleift - worden. Da die Schleifung von Burgen eine Strafe für rechtsbrüchige Burgherren war und einen enormen Arbeitsaufwand bedeutete, muss das Alte Schloss zwangsläufig eine Rolle in einer größeren Adelsfehde dieser Zeit gespielt haben.

Mainzer Burg? Eher nicht.

Der ursprüngliche Name der Burg ist unbekannt. Die sichere Identifikation des Alten Schlosses in einer Schriftquelle ist trotz verschiedener Versuche bislang nicht gelungen. Auch die Frage nach dem Erbauer und Burgherrn ist nach wie vor offen. Bereits im 19. Jahrhundert wurden zwei Urkunden aus dem ersten Drittel des 13. Jahrhunderts mit dem Alten Schloss in Zusammenhang gebracht. Diese nennen die nicht verortbaren Burgen 'Waldenberg' und 'Waleberg'. Mittlerweile ist klar, dass es sich trotz der ähnlichen Namensformen in den beiden Schriftstücken um zwei unterschiedliche Burgen handelt. Somit steht aktuell nur noch 'Waleberg' im Raum. Besucher des Burgstalls werden entsprechend von einem Holzschild mit der Aufschrift 'Burg Waleberg' begrüßt. Gestützt wird die Identifikation durch:

- die im 13. Jahrhundert nachgewiesene Ortsnamensform 'Walestat' für Kleinwallstadt,

- der nur ca. 1,5km südlich des Alten Schlosses vorkommende Flurname 'Wallburger Äcker' sowie

- den Inhalt der Urkunde von 1230, wonach der Mainzer Erzbischof Siegfried II. eine 'Waleburg' gemeinsam mit Besitz im 5km nordwestlich von Kleinwallstadt gelegenen Niedernberg erworben hat.

Doch lässt sich diese Argumentation mit dem archäologischen Befund nicht in Übereinstimmung bringen. Zum einen reicht die Datierung des Fundmaterials vom Alten Schloss nicht bis ins frühe 13. Jahrhundert zurück und weicht damit um mindestens mehrere Jahrzehnte von der historisch vor 1230 zu datierenden Entstehung besagter 'Waleburg' ab. Zum anderen würde dann auch die systematische und aufwändige Schleifung der Burg vor dem historischen Kontext wenig Sinn machen - mangels eines angemessenen Anlasses. Das Erzstift Mainz hätte wohl kaum ohne triftigen Grund auf diesen Stützpunkt an der Ostflanke des umfangreichen Eigenbesitzes in Kleinwallstadt verzichtet. Die Ansprache des Alten Schlosses als 'Burg Waldenberg' ist somit als äußerst unwahrscheinlich einzustufen.

Rienecker Burg? Wohl eher.

In der Hand der Grafen von Rieneck läge das Alte Schloss am äußeren westlichen Rand ihres Besitzkomplexes im Südwestspessart. Gemeinsam mit der Burg Wildenstein bei Eschau könnte es das Rückgrat des dortigen Herrschaftsbereichs oder sogar die Speerspitze von dessen geplanter Vergrößerung gebildet haben. Die Rienecker drängten im 13. Jahrhundert über den Spessart und bietrieben hierbei auch eine sehr aktive Burgenpolitik. Zwangsläufig gerieten sie dabei mit dem Erzstift Mainz in Konflikt, der zwischen 1260 und 1271 mehrmals auch gewaltsam ausgetragen wurde. In dessen Verlauf fielen mehrere Burgen dem Schicksal der planmäßigen Zerstörung anheim. Bei allen handelte es sich um Rienecker Stützpunkte, deren Niederlegung von der siegreichen Partei des Erzbischofs diktiert wurde. Mainz konnte der Expansion des Rienecker Grafenhauses schließlich einen Riegel vorschieben. Dieser Rahmen drängt sich für die Zerstörung des Alten Schlosses geradezu auf, besonders die Ereignisse des Jahres 1266: Nach einer militärischen Niederlage der Rienecker wird in einer auf den 17. März datierten Urkunde unter anderem die Schleifung ihrer Burg Rannenberg sowie weiterer - leider ungenannter - Burgen vereinbart. Es liegt nahe, das Alte Schloss unter diesen ungenannten Befestigungen und damit als rieneckische Burg zu vermuten. Mainz musste zweifellos ein großes Interesse daran haben, einen an dieser Stelle neu gegründeten gegnerischen Stützpunkt vollständig zu eliminieren. Doch trotz aller Plausibilität kann diese These nicht als zweifelsfrei belegt gelten.

Literatur und weiterführende Links

Christine Reichert/Harald Rosmanitz: Das "Alte Schloss" bei Kleinwallstadt am Untermain.
In: Georg U. Großmann (Hg.): Die Burg zur Zeit der Renaissance. Forschungen zu Burgen und Schlössern 13, Berlin/München 2010, S. 213–225.

Wolfgang Hartmann: Zur Geschichte der Spessartburgen Waldenberg und Kugelberg und ihrer Herren.
In: Aschaffenburger Jahrbuch für Geschichte, Landeskunde und Kunst des Untermaingebietes 19, 1997, S. 9–53.

Wolfgang Hartmann: Das "Alte Schloss" bei Kleinwallstadt. Zur Identität und Geschichte eines mittelalterlichen Burgstalles.
In: Spessart - Monatszeitschrift für die Kulturlandschaft Spessart,Heft 6/2010, S. 6–11.

Theodor Ruf: Die Grafen von Rieneck. Mainfränkische Studien 32, 2 Bände, Würzburg 1984.

Theodor Ruf: Zur Geschichte einiger Spessartburgen im 12. und 13. Jahrhundert.
In: Aschaffenburger Jahrbuch für Geschichte, Landeskunde und Kunst des Untermaingebietes 37, 2019.

 

weiterführende Links

Burglandschaft Spessart und Odenwald

Archäologisches Spessartprojekt

Europäischer Kulturweg "Zwischen Templerhaus, Altem Schloss und Almhütte"

Publikationen Wolfgang Hartmann

Bayerisches Landesamt für Denkmalpflege