© Burglandschaft
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Karte der Anlage © Burglandschaft
Pfostenschlitzmauer © Burglandschaft
Rekonstruktion der Pfostenschlitzmauer © Burglandschaft
Innenraum des Museums © Burglandschaft
Innenraum des Museums © Burglandschaft
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Karte der Anlage © Burglandschaft
Pfostenschlitzmauer © Burglandschaft
Rekonstruktion der Pfostenschlitzmauer © Burglandschaft
Innenraum des Museums © Burglandschaft
Innenraum des Museums © Burglandschaft

Altenburg

45 Min. Fußweg
Soden Kirche
20 Min. zur Haltestelle

Am westlichen Rand des Spessarts liegt auf dem Schlossberg, genau auf der Gemarkungsgrenze zwischen Leidersbach und Sulzbach am Main, die Altenburg. Die Größe der Ringwallanlage ist mit 365 m Länge und bis zu 180 m Breite beeindruckend, bis vor wenigen Jahren war das Bodendenkmal jedoch kaum erforscht. In zwei Grabungskampagnen des Archäologischen Spessart-Projekts wurde 2008 und 2009 eine mehrmalige Besiedlung der Befestigung in Jungsteinzeit (um 4000 v.Chr.) und mittlerer Eisenzeit (um 500 v.Chr.) nachgewiesen.

Die Besucher erwartet auf der Altenburg ein Geschichtspark, der u.a. mit den Rekonstruktionen eines Pfostengebäudes und einer Pfostenschlitzmauer – beide nach eisenzeitlich-keltischem Vorbild – die damalige Lebensweise erlebbar macht. Betreut wird die Anlage von der „Arbeitsgemeinschaft Altenburg“, die sich aus der Gemeinde Leidersbach, dem Markt Sulzbach am Main, dem Heimat- und Geschichtsverein Leidersbach e.V. und dem Heimat- und Geschichtsverein Sulzbach e.V. zusammensetzt. Außerdem kann man die Altenburg und die umgebende Landschaft über die östliche Schleife des Kulturwegs „Rund um die Buchenmühle“ gut erwandern.

Vom Erdwerk zum Truppenübungsplatz

Eine Periodisierung der Altenburg gestaltet sich schwierig, da das Gelände in den letzten beiden Jahrhunderten stark in Mitleidenschaft gezogen wurde. Besonders das Innere der Anlage zeichnet sich durch eine Befundarmut aus. Auch die Menge der geborgenen Funde ist gering. Die größte Fundgruppe stellen Keramikfragmente dar. Der weit größte Teil der auf der Altenburg geborgenen Keramikscherben ist sehr uncharakteristisch und zudem nur sehr fragmentarisch erhalten. Es handelt sich dabei um eine schlecht gebrannte, dunkle Ware, die in beinahe allen Schnitten zum Vorschein kam. Für eine nähere zeitliche bzw. kulturelle Einordnung sind diese Keramikfragmente nicht geeignet.

Die Nutzungsgeschichte der Altenburg lässt sich, ohne einer wissenschaftlichen Bearbeitung vorzugreifen, nach den Befunden und dem Augenschein des Fundmaterials grob in fünf Perioden unterteilen:

  • Periode 1: Michelsbergerzeitliche Siedlung
  • Periode 2: Letzte Bauphase und Zerstörung des inneren Walls am Übergang zwischen Hallstatt- und Laténezeit
  • Periode 3: Entstehung des äußeren Walls
  • Periode 4: Nutzung des Geländes als Steinbruch im 19. und frühen 20. Jahrhundert
  • Periode 5: Nutzung des Geländes als Truppenübungsplatz der US-Streitkräfte nach dem Zweiten Weltkrieg

Periode 1: Die michelsbergerzeitliche Siedlung

Auf eine Nutzung des Geländes zur Zeit der Michelsberger Kultur deuten einige wenige Keramikfragmente, sowie das Fragment eines Steinbeils und eine Silexklinge hin. Zu den Keramikscherben gehören einige Ränder von Arkadenrandgefäßen, sowie Fragmente von Ösengefäßen.

Da keine eindeutig der Michelsberger Kultur zuzuweisenden, aussagekräftigen Befunde vorliegen und auch die Zahl der gesicherten Funde aus dieser Zeit sehr gering ist, gestaltet sich eine Interpretation als schwierig.

Im Gegensatz zu den sonst wenig ertragreichen Böden des Spessarts ist die Umgebung der Altenburg landwirtschaftlich gut nutzbar. In der direkten Umgebung sind fruchtbare Löss- und Braunerdeflächen vorhanden. Zahlreiche Funde aus der Gegend zeugen von einer neolithischen Besiedlung dieser Region. Der Schlossberg bietet zudem noch weitere Vorteile. Diese Erhebung ist durch die steilen Hänge im Norden, Süden und Westen nur schwer zugänglich und liegt doch inmitten eines fruchtbaren Gebiets. Vermutlich waren es diese Vorzüge, welche die Träger der Michelsberger Kultur dazu veranlassten, in dieser Region zu siedeln. Die Frage, welche Rolle die Altenburg in dieser Siedlungsstruktur spielte, muss offen bleiben. Da die Michelsberger Kultur bekannt ist für ihre zahlreichen Erdwerke, ist es gut möglich, dass es bereits zur michelsbergerzeitlichen Nutzung des Geländes eine umlaufende (Wall-)Graben-Struktur auf der Altenburg gab. Wie dieses Erdwerk ausgesehen haben könnte und wo es genau verlief, kann aufgrund des heutigen Wissensstandes nicht festgestellt werden. Während der beiden Grabungskampagnen 2008 und 2009 fanden sich keine eindeutigen Hinweise auf ein michelsbergerzeitliches Erdwerk. Möglicherweise wurde es durch die spätere keltische Befestigungsanlage zerstört bzw. überbaut.

Es bleibt noch die Frage bezüglich der Funktion der Altenburg während der michelsbergerzeitlichen Nutzungsphase. Grundsätzlich bieten sich zwei Alternativen an. Zum einen ist es möglich, dass die Altenburg nicht dauerhaft besiedelt war, sondern dass die eigentlichen Siedlungen im Tal in unmittelbarer Nähe der Agrarflächen lagen. In diesem Fall wurde die Anlage möglicherweise als Rückzugsort in Gefahrensituationen verwendet. Hierfür spricht die schwer zugängliche Lage der Altenburg. Die andere Alternative ist, dass sich die Siedlung tatsächlich auf dem Gelände der Altenburg befand. Beide Ansätze sind jedoch reine Spekulation, denn die Fund- und Befundarmut der Anlage lässt keine gesicherten Schlüsse zu. Lohnenswert wäre in diesem Zusammenhang eine systematische Untersuchung der umliegenden Löss- und Braunerdeflächen, um eine mögliche michelsbergerzeitliche Siedlungsstruktur nachweisen zu können.

Periode 2: Zerstörung des inneren Walls am Übergang zwischen Hallstatt- und Latènezeit

Das beinahe einzige Zeugnis dieser Periode ist die heute im Gelände als innerer Wall sichtbare Struktur. In Schnitt 3/3a konnten bei einem Schnitt durch den Wall mehrere verkohlte Holzbalken freigelegt werden. Mit Hilfe der Radiokarbonmethode konnten zwei Proben aus diesem Bereich in die Zeit um 2420 BP (P1) und 2475 BP (P2) datiert werden. Nach der Kalibrierung ergibt diese Datierung ein Alter von 750-450 cal BC. Um diese Ergebnisse zu präzisieren, wurden während der zweiten Grabungskampagne weitere Proben für eine denrochronologische Untersuchung entnommen. Die Holzbalken des inneren Walles datieren somit in die späte Hallstatt- bzw. in den Übergang zwischen Hallstatt- und Latènezeit. Diese Datierung bezieht sich jedoch lediglich auf die letzte Bauphase und die Zerstörung des Walles. Wann der Wall ursprünglich errichtet wurde und wie lange er in Gebrauch war, kann anhand des aktuellen Forschungsstandes nicht näher bestimmt werden.

Doch wie sah der innere Wall ursprünglich aus? Die archäologisch untersuchten Bereiche bieten folgendes Bild: Auf der Außenseite des Walles haben wir eine zunächst relativ mächtige Versturzschicht aus bis zu übertorsogroßen Steinen, wobei der größte Teil der Steine etwa kopfgroß ist. Diese Versturzschicht lässt sich mehrere Meter hangabwärts weiterverfolgen, wobei sie unter dem äußeren Wall verläuft. Im inneren Wall selbst liegen mehrere Hinweise auf ein Brandereignis vor. Es fanden sich Schichten aus verziegeltem Lehm, zahlreiche durch Hitze stark geschädigte Steine und schließlich die bereits erwähnten verkohlten Holzbalken. Interessant ist die Lage der Balken, die freigelegt werden konnten. Sie verliefen an der Westspitze der Anlage allesamt in Ost-West-Richtung, also quer zum Wallverlauf. In Schnitt 3/3a fanden sich mehrere Balken die dicht über- und nebeneinander lagen. Nach Norden hin nahm die Mächtigkeit dieser Schicht stark ab. Im südlichen Viertel von Schnitt 9 fanden sich auf einer Breite von ca. 2,5m kaum noch Hinweise auf Holzkohle. Erst in Profil 2009/035 stießen man erneut auf die Holzkohleschicht. Diese Befunde könnte man als die Überreste einer Pfostenschlitzmauer interpretieren. Eine Pfostenschlitzmauer besteht an der Frontseite aus einer Trockenmauer. Diese wird in regelmäßigen Abständen durch senkrechte Holzpfosten unterbrochen. Parallel zu der Pfostenreihe an der Mauerfront verläuft eine zweite Reihe an der Rückseite der Mauer in einigem Abstand. Die beiden Pfostenreihen sind durch übereinander angebrachte, zueinander parallel verlaufende horizontale Balken miteinander verbunden die quer zum Mauerverlauf liegen, die Zwischenräume sind mit Erde verfüllt. Diese Beschreibung passt gut zu den Befunden. Die Mauerfront lässt sich in den mächtigen Versturzschichten auf der Außenseite des Walls fassen. Die senkrechten Pfosten sind nicht mehr erhalten, da sie nach dem Einsturz der Mauer vermutlich der Witterung ausgesetzt waren. Erhalten sind jedoch Teile der horizontal verlaufenden Balken.

Daraus lässt sich eine Pfostenschlitzmauer rekonstruieren. Sie war mit Sicherheit mehrere Meter hoch, vermutlich mit einer Palisade auf der Mauerkrone bewehrt. Die senkrechten Pfosten in der Mauerfront standen in einem Abstand von ca. 3-4m. Die horizontalen Querbalken bestanden aus Eiche. Es ist anzunehmen, dass die senkrechten Pfosten aus derselben Holzart geschlagen wurden.

Über die Funktion der Altenburg während Periode 2 kann man lediglich spekulieren. Es ist davon auszugehen, dass die Anlage an dieser exponierten Stelle schon von Weitem zu sehen war. Die umliegenden Hänge waren zu der Zeit mit Sicherheit entwaldet, so dass man von der Anlage weit sehen konnte und auch von Weitem gesehen wurde. Ein repräsentativer Charakter der Anlage ist also anzunehmen. Da auch aus dieser Zeit keinerlei Bebauung im Inneren nachgewiesen ist, ist es schwierig weitere Aussagen über die Funktion der Altenburg zu treffen. Die Altenburg ist zu groß, als dass sie von den Bewohnern einer Siedlung errichtet und instand gehalten werden konnte. Bau und Unterhalt waren mit Sicherheit eine gemeinschaftliche Arbeit, die mehrere Siedlungen der Region umfasste. Möglicherweise war die Anlage der Sitz eines kleineren Herrschers, der die Handelswege der Umgebung kontrollierte. An dieser Stelle wären auch die Salzquellen im Sodental zu nennen. Vielleicht gibt es auch einen Zusammenhang mit den Anlagen bei Bürgstadt und Urphar, die um die Zeit ebenfalls besiedelt waren.

Periode 3: Entstehung des äußeren Walls

Wann genau der äußere Wall errichtet wurde, ist vom archäologischen Befund her unklar. Es kann als gesichert angesehen werden, dass er erst nach der Zerstörung der Pfostenschlitzmauer gebaut wurde, da die Versturzschichten jener Mauer unter dem äußeren Wall verlaufen. Damit kann eine Gleichzeitigkeit der beiden Wälle ausgeschlossen werden, auch wenn sie im Gelände als zusammengehörend wirken. Ebenso widerlegt werden kann die Theorie von Klaus Schwarz, demnach der äußere Wall lediglich die Einfassung eines Grabens sei. Diese These ist aus zwei Gründen abzulehnen. Wäre dem so, wie Schwarz es postuliert, so könnten die Versturzschichten der Pfostenschlitzmauer nicht unter dem äußeren Wall verlaufen. Betrachtet man zudem den äußeren Wall im Osten der Anlage, wo dieser selbst heute noch eine Höhe von ca. 2-3m erreicht, sieht man, dass es sich dabei auf keinen Fall um die Einfassung eines Grabens handeln kann sondern vielmehr um einen eigenständigen Wall.

Wie der äußere Wall konstruiert war, ist ebenfalls schwer zu sagen. Vermutlich handelte es sich dabei um eine relativ einfache Trockenmauer, die möglicherweise durch Erde verstärkt wurde. Zumindest an der untersuchten Stelle im Westen der Anlage war sie mit Sicherheit keine so sorgfältig errichtete Konstruktion wie der innere Wall. Besonders im Süden ist der äußere Wall stellenweise im Gelände kaum wahrnehmbar.

Dem äußeren Wall war zudem ein Spitzgraben vorgelagert. Auch wenn dieser Graben ebenso wenig datiert werden kann wie der äußere Wall selbst, ist ein Zusammenhang zwischen den beiden Strukturen wahrscheinlich. Da der äußere Wall ursprünglich vermutlich eine relativ geringe Höhe besaß, versuchte man dies durch einen vorgelagerten Graben zu kompensieren.

Wie schon erwähnt, ist eine Datierung des äußeren Walles und des vorgelagerten Grabens aufgrund der archäologischen Befunde nicht möglich. Dennoch können mit Hilfe von Schlussfolgerungen zumindest Theorien aufgestellt werden. Der derzeitige Forschungsstand erlaubt zwei Thesen für eine Datierung der beiden Strukturen. Zum einen ist es möglich, dass nach der Brandkatastrophe, welche die Pfostenschlitzmauer zerstört hatte, die Anlage nicht aufgegeben wurde. Stattdessen versuchte man sie notdürftig mit einer weniger aufwendigen Befestigung zu sichern. Für diese Theorie spricht, dass die beiden Wälle im Gelände eng zusammengehörig erscheinen. Wäre der äußere Wall wesentlich später entstanden, hätte man sich nicht derart sklavisch am Verlauf des inneren orientieren müssen. Die andere Möglichkeit ist, dass der äußere Wall wesentlich später entstanden ist. In diesem Fall würde sich das Mittelalter als Entstehungszeit anbieten. Möglich, dass die Anlage im Mittelalter noch als Fluchtburg genutzt wurde und man den äußeren Wall zu diesem Zweck errichtete. Gegen diese These spricht allerdings, dass von der Altenburg keinerlei mittelalterliche Funde bekannt sind. Für die Fluchtburgthese spricht die bereits erwähnte Tatsache, dass bei der Aufteilung des Landes im 12. Jahrhundert das Gelände der Altenburg ausgespart wurde. Dies deutet auf irgendeine Funktion der Anlage hin. Archäologisch beweisen kann man jedoch keine der beiden Thesen.

Periode 4: Nutzung des Geländes als Steinbruch im 19. und 20. Jhd.

Periode 4 kann sowohl archivalisch als auch archäologisch nachgewiesen werden.

Periode 5: Nutzung des Geländes als Truppenübungsplatz der US-Streitkräfte nach dem Zweiten Weltkrieg

Sowohl Berichte von Bürgern der umliegenden Gemeinden als auch Bodenfunde zeigen die Präsenz der US-Streitkräfte nach dem Zweiten Weltkrieg. So fanden sich zahlreiche Patronenhülsen, scharfe Munition, Bombensplitter, Zeltheringe und Fragmente von Übungsmunition.

Weiterführende Literatur:

Peter Endrich: Vor- und Frühgeschichte des bayerischen Untermaingebietes. Veröffentlichungen des Geschichts- und Kunstvereins Aschaffenburg e.V. 4, Aschaffenburg 1961.
HGV Sulzbach und Leidersbach, Harald Rosmanitz (Hg.): Die Altenburg zwischen Sulzbach und Leidersbach. Eine prähistorische Wallanlage zwischen Main und Spessart, Neustadt a.d. Aisch 2012.
Gergely Kápolnási, Harald Rosmanitz: Die Altenburg – ein wenig erforschter Ringwall im Spessart, in: Markus Marquart (Hg.): KeltenLand am Fluss. Die Kelten im Rhein-Main-Gebiet, Rahden/Westf. 2010, S. 65-68.
Ian Ralston: Celtic Fortifications, Stroud 2006.
Susanne Reiter: Die beiden Michelsberger Anlagen von Bruchsal ,Aue‘ und ,Scheelkopf‘: Zwei ungleiche Nachbarn. Materialhefte zur Archäologie in Baden-Württemberg 65, Stuttgart 2005.
Klaus Schwarz: Die Altenburg, auch Sodenburg genannt, in: Führer zu vor- und frühgeschichtlichen Denkmälern 8, Mainz 1967, S. 159-169.
Ludwig Wamser: Abschluss der archäologischen Untersuchungen am Ringwall auf dem Bürgstadter Berg, in: Das archäologische Jahr in Bayern 1988 (1989), S. 66-68.